Eine Demographiediskussion in unserer GV…

Es ist ja derzeit so, dass man mit gutem Gewissen niemanden einen Besuch der Gemeindevertretung empfehlen kann. Es werden einfach zu viele Phrasen gedroschen, eine Sachauseinandersetzung findet in der Regel nicht statt. Erfolgt dann zu einem wichtigen Thema doch einmal so etwas wie eine Diskussion, wird diese ausschließlich durch die Fraktion SPD/B.f.G-M getragen und die Mitglieder der großen Nicht-Fraktion beschränken sich darauf, die Verwaltung vorzuschieben. Man scheint sich selbst nicht äußern zu wollen. Dieses Schema war auch verschiedentlich während der letzten GV-Sitzung am 27. Juni zu beobachten. Das soll hier aber nicht Thema sein.
Mit einigem Erstaunen musste ich feststellen, dass während der letzten GV-Sitzung vorgenanntes Schema durchbrochen wurde und Herr Kosubek (FDP) das Thema Demographie aufgriff. Unabhängig von Anlass, der freilich höchst fragwürdig ist, wiederholten einige Gemeindevertreter (vor allem die Herren Gottschalk, Boos und Kosubek) Auszüge einer Argumentation, die wir nunmehr seit mehreren Jahren, bislang ungehört, vortragen (vergl. z. B. hier).
Die sich weiter abzeichnende demographische Entwicklung trifft Graal-Müritz, aufgrund der vorhandenen Altersstruktur, ungleich schwerer als wirtschaftlich vergleichbare Gemeinden. Um dem entgegenzuwirken, ist es unumgänglich, dass sich die Gemeinde die Schaffung bezahlbaren Wohnraumes auf die Fahnen schreibt. Hierzu gehört natürlich auch, wie durch Herrn Kosubek wiederholt, die Ausweisung von Bauland und hierüber hinaus der Zweckentfremdung ausgewiesenen Baulandes entgegenzuwirken. Bei Weitem wichtiger ist aber die Schaffung geeigneter und bezahlbarer Mietwohnungen. Der bereits derzeit vorhandene und sich weiter verschärfende Personalmangel im Hotel- und Gastronomiegewerbe betrifft vor allem Servicekräfte, für die ein eigenes Einfamilienhaus in aller Regel ein unerfüllbarer Traum bleiben wird. Man wird insbesondere Servicekräfte nicht dadurch in den Ort ziehen können, indem man Bauplätze für eine Einfamilienhausbebauung ausweist. Gerade deshalb verdienen sie aber, dass man sich im Besonderen um sie kümmert. Unerträglich ist m. E., dass junge Leute den Ort verlassen müssen, weil sie keine Mietwohnung finden und ältere Leute, die bereits seit vierzig und mehr Jahren in Graal-Müritz wohnen, Angst haben, ihre Wohnung nicht mehr bezahlen zu können und damit Gefahr laufen, Opfer einer Entwicklung zu werden, die allein auf den kurzfristigen Profit Einzelner setzt.
Anlass der Thematisierung durch Herrn Kosubek, war eine Zweckentfremdung von Ferienhäusern zu Dauerwohnzwecken durch zwei Familien im Klünnersholz. Bei der Bewertung der Zweckentfremdung kommt es m. E. entscheidend auf die Beweggründe der Zweckentfremdung an: Erfolgte, wie dies in der jüngeren Vergangenheit verschiedentlich vorgekommen ist, eine Zweckentfremdung mit Zustimmung oder Duldung der Gemeinde, ist die Gemeinde zumindest in der moralischen Verpflichtung, eine Lösung im Sinne der Familien zu finden. Wurden die Familien durch Dritte getäuscht, sollte die Gemeinde natürlich unterstützen, um die Ansprüche der Familien gegen die eigentlich Schuldigen durchzusetzen. Wenn aber bewusst gegen geltendes Recht verstoßen wurde, besteht absehbar keine Handlungsnotwendigkeit der Gemeinde. Welcher der genannten Gründe letztendlich zu den Zweckentfremdungen geführt hat, hat Herr Kosubek nicht weiter ausgeführt und ist mir auch nicht bekannt.
Insgesamt sollte die Ausweisung von Bauland nach objektiven Gesichtspunkten und nicht sachfremd erfolgen. Wenn Klünnersholz für eine Wohnbebauung geeignet ist, dann ja, wenn es besserer Standorte gibt, dann nein.
Die Gemeindevertretung beschloss letztendlich einen Prüfauftrag an die Verwaltung, nach Wegen für eine Legalisierung der Zweckentfremdung im Klünnersholz zu suchen. Insgesamt ist dieser Prüfauftrag der GV aber mehr als halbherzig. Hier steht wohl die These Besser als Gutes zu tun, ist es, hierüber zu sprechen im Vordergrund. Wenn man überzeugt ist, dass im Klünnersholz eine Wohnbebauung erfolgen soll (das konnte man den Wortbeiträgen zumindest entnehmen), hätte man natürlich die erforderlichen Beschlüsse fassen können –was zu tun ist, sollte zumindest den Mitgliedern des Bauausschusses bekannt sein. Man kann sich daher des Eindrucks nicht erwehren, dass es mehr um Selbstdarstellung als um den Versuch der Lösung eines Problems ging. Bei Letzterem mag ich mich aber täuschen.

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20 Antworten auf Eine Demographiediskussion in unserer GV…

  1. H.Schmidt sagt:

    Das ist doch mein reden. Kommunaler Wohnungsbau, um junge Leute/Familien in den Ort zu bekommen und die Älteren keine Angst um ihre Wohnung haben müssen!

  2. Michael sagt:

    Es wird Zeit, dass es in Graal-Müritz mehr Platz für Mietwohnungen gibt… das ist nunmal die heutige Zeit. Außerdem wird so langfristig ja auch der Standort und die Wirtschaft des Ortes gefördert.

  3. Anne S. sagt:

    RJ, du hast Recht, man muß die Ferienwohnungsgebiete überdenken. Wenn man da jetzt aber Sonderlösungen schafft, kuriert man doch nur an Symptomen. Wenn die beiden Familien da gar nicht für können, bin ich bei Markus. Ja, dann soll die Gemeinde im Sinne der Familien eine Lösung finden. Wenn da aber bewusst gegen ein Verbot gehandelt wurde, dann darf man das nicht auch noch unterstützen.

  4. RJ sagt:

    In allen Ferienhaus-Gebieten leben mittlerweile Dauerwohner, weil Wohnraum einfach rar wurde. Dass es nun über die zwei Familien ausgetragen wird, ist eigentlich nur ein Anfang dieser schwierigen Thematik. Ich finde es falsch, diese Familien derartig zu verurteilen, da es viele andere auch betrifft.

    Mietwohnungen sind notwendig, auf jeden Fall, aber die Chance auf etwas Eigenes sollte in Graal-Müritz auch bestehen. Gerade junge Leute möchten irgendwann in die eigene Tasche finanzieren, und nicht nur in die des Vermieters. Wenn der Schritt dahin geht, Ferienhausgebiete in Wohnraum zu verwandeln, weil Ferienhäuser und -wohnungen genug vorhanden sind, ist das meines Erachtens richtig. Während es vielleicht früher notwendig gewesen war, Ferienhaus-Gebiete zu erhalten, muss es heute überdacht werden, finde ich. Wohnraum fehlt, egal ob für Mieten oder Eigentum, dann sollte man umdenken.

  5. k72 sagt:

    Nee Guido, das ist nicht dein Ernst. Wenn zwei was falsch machen, heißt das doch nicht, dass es beim Dritten richtig wird.

  6. Guido sagt:

    Als ob in Graal-Müritz nur nach Vorschrift gebaut wird!

  7. Rudi sagt:

    Glaubt eigentlich irgend jemand, dass es um die Familien geht? Die werden doch nur vorgeschoben!

  8. Wolgang Berndt sagt:

    Anne, ich verstehe deinen Standpunkt. Was wir uns aber fragen müssen ist, was können die betroffenen Kinder für das Fehlverhalten ihrer Eltern? Man muß da sehr genau abwägen.

  9. Anne S. sagt:

    Klaus, das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn jemand gegen Recht verstößt, muß er auch die Konsequenzen tragen. Mit einem „kleinen Ordnungsgeld“ ist es da nicht getan. Das Ordnungsgeld muß wenigstens so hoch sein, wie das Geld, das die gespart haben. Die Gemeinde macht sich doch sonst lächerlich! Ein Verbot ist ein Verbot, das hat jeder zu beachten. Wenn das Verbot unsinnig ist, muß man das ändern und nicht einfach für sich entscheiden, dass man sich nicht daran hält! Wenn die Gemeinde nun sagt wir wollen das legalisieren, welchen Sinn machen dann noch Regeln?

  10. Hartwig sagt:

    Eigentlich ist schon alles gesagt. Es ist beängstigend, wenn die Älteren Gefahr laufen, nicht mehr mithalten zu können und herausgedrängt zu werden. Ja Mietwohnungen fehlen!

  11. klaus sagt:

    Ein kleines Ordnungsgeld und dann sollen die da wohnen bleiben. Das macht auch nichts mehr kaputt.

  12. Rudi sagt:

    Die FDP und die Wirtschaftlichen als Streiter für eine gerechte Welt! Sehr nett, habe richtig gelacht!

  13. Steffie W. sagt:

    Eigentlich total traurig, da müsste man was für die vielen Pendler tun, die sich ein eigenes Haus nicht leisten können. Thema ist nun, Rechtsbruch zu legalisieren. Wer da wohl wen kennt?

  14. H. Schmidt sagt:

    Markus, du hast ja recht. Als ich das bemerkt hatte, hatte ich schon abgeschickt.

  15. H. Schmidt sagt:

    Ich habe das schon im April gesagt, in Graal-Müritz findet ein Verdrängungswettbewerb statt. Familien müssen wegziehen, weil sich Ferienwohnungen für die Vermieter mehr rechnen. Die Lösung kann nur kommunaler Wohnungsbau sein.
    Wenn XXXXXX und XXXXXX sich zu dem Thema äußern, geht es ihnen doch gar nicht um die Familien als solche. Die wollen attraktive Einfamiliengrundstücke für ihre Klientel. Um die unterbezahlten Servicekräfte geht es ihnen jedenfalls nicht!

    Bitte ein bisschen Zurückhaltung, wenn ihr Personen direkt ansprecht!

    Markus

  16. Anne S. sagt:

    Eine Bekannte hatte sich in Graal-Müritz erkundigt. Sie wollte dort bauen. Die Antwort von der Verwaltung: „Das können Sie sich doch gar nicht leisten.“.
    Es ist frech, wenn Leute einfach drauf los bauen und dann damit auch noch durchkommen!

  17. Wolfgang Berndt sagt:

    Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, wenn die SPD zumindest andeutet, die Bürger sollten nicht zur Gemeindevertretung gehen. Egal was dort passiert, da kann ich leider nicht mitreden, es ist wichtig, dass die Bürger sich ein Bild aus erster Hand machen!
    Ansonsten bin ich bei Uwe S. Wenn es auf Wahlen zugeht, bemerken viele Kandidaten der anderen Parteien, dass sie ein sozialdemokratisches Herz haben. Leider wird das am Wahlabend alzu schnell vergessen,

  18. Uwe S. sagt:

    Ein gutes Jahr vor der Wahl fängt Herr Kosubek also an, alte Vorschläge der SPD aufzugreifen. Ob irgend jemand glaubt, dass er da wirklich hinter steht – ich fürchte schon. Aber denkt doch bitte daran, was diese GV in den letzten Jahren wirklich geleistet hat! Nein nicht alles war schlecht, bei den wichtigen Themen (dazu gehört auch „Demographie“) hat sie aber völlig versagt.

  19. w.h. sagt:

    Im Klünnersholz ist das schwierig, es geht um Familien, auch Kinder. Da streubt sich bei mir alles, nichts zu tun. Die Eltern sind unverantwortlich. Würde man nichts machen, trifft es die Kinder. Andererseits darf man Frechheit nicht auch noch belohnen (das ist bekannt, dass man da nicht wohnen darf). Wenn es geht, scheint es mir das Beste zu sein, die dort irgendwie weiter wohnen zu lassen und gleichzeitig ein saftiges Ordnungsgeld zu verhängen.

  20. Wera sagt:

    Ich glaube schon, dass die GV mehrheitlich daran interessiert ist, sich dem Thema anzunehmen. Das nun die Arumentation der SPD aufgegriffen wird, spricht für euch. Ich sehe das auch so, dass Mietwohnungen z.Zt. wichtiger sind als Bauplätze für Einfamilienhäuser. Da hat doch die Gemeinde bislang immer nachgegeben, wenn die dann doch für Ferienwohnungen genutzt wurden. Die Lobbyisten haben sich da immer durchgesetzt.

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